Curt Zeh:
 
   Durch die Jahrzehnte
Eine Ausstellung anlässlich seines 90. Geburtstages
29. März - 10. Mai 2009   
 
 
  • Curt Zeh
freischaffender Zeichner und Maler
geboren 14. März 1919 in Podelwitz bei Leipzig
seit 1939/1945 wohnhaft in Oldenburg
Schüler von Wilhelm Kempin und Heinz Liers
 
Werbegrafiker, Plakatmaler und Kino-Reklame-Maler
 
  • Ausstellungen (Auswahl):
Stadtmuseum Oldenburg
Nordwest-Zeitung Oldenburg E
Bundesausstellung Stuttgart
Heller-Engel-Galerie Berlin
Brügge (Belgien)
Bonn, Niedersachsenhaus
Emden, Rathaus-Festsaal
Jever, Schloss
Kunsthalle Wilhelmshaven
Cuxhaven
Bergzabern, Kurhalle
Scheeßel, Heimatverein
Brake, Kulturwoche
Tastrup (Dänemark), Kunstverein
Coburg, Kunstverein
Oldenburg Galerie Forum E
Nordenham, Kunstverein E
Como (Italien)
Oldenburg BBK E
Leer, Kunstmeile
Emden, Pelzer-Haus
Oldenburg, Elisabeth-Anna-Palais E
Wiefelstede, Heimatmuseum E
 
  • Ankäufe (Auswahl):
Stadtmuseum Oldenburg
Landesmuseum Oldenburg
Landessparkasse zu Oldenburg
Oldenburgische Landesbank
Prof. Stählin-Stiftung
Kunstverein Nordenham
Kunstverein Tastrup/Dänemark
Stadt Coburg
Veste Coburg (Grafik-Sammlung)
durch Verein. Sparkasse Coburg
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Studie 1998
 
Katalog zur Ausstellung:
 
Curt Zeh
Durch die Jahrzehnte
Ausgewählt und eingeleitet von Jürgen Weichardt
 
10,- €
im Museum erhältlich
ISBN 978-3-89995-600-9
 

Stillleben 1979

Stillleben 1998

Stillleben: Auf dem Fensterbrett 1999

 

 

Jürgen Weichardt: Kurt Zeh
 
Kurt Zeh gehört ganz ohne Zweifel zu jenen Künstlern, die gegenüber der Natur Ehrfurcht an den Tag legen, die in ihrer Arbeit eigentlich die Symbiose von Natur und Menschenwerk gesucht und notiert haben. Seine Kunst ist nicht nur schöne realistische Malerei, sondern trägt auch Züge einer Dokumentation.
Um diese Kunst richtig einzuschätzen, braucht sie ihre kunsthistorische Herleitung. Dazu nur ein paar Bemerkungen: Als die Künstler um 1800 die real existierende Außenwelt als Thema für ihre Kunst entdeckten – parallel mit den Naturwissenschaftlern und Reisenden  (die Hamburger Kunsthalle hat darüber kürzlich eine große Ausstellung zusammengetragen), fanden diese Künstler zu einem sachlich beschreibenden Stil. Zuvor hatten sie Welt und Natur idealisiert. Das war vorbei. War der Stil in der idealisierten Neigung zum Detail, in der Sorgfalt für Einzelheiten schon vorher ausgeformt gewesen, so wurde er jetzt auf die Realität angewandt.  Er wurde beschreibend – mit einem Hang zu Genauigkeit, die von anderen Wissenschaftlern – Geographen, Biologen – genutzt werden konnte.
Also – statt der idealisierten Landschaft jetzt die realistische, deren Ort genau bestimmt werden kann. Statt der überschwänglichen Phantasie gegenüber Pflanzen und Wolken, Flusslauf und Baumwuchs, aber auch Menschenwerk wie Architektur – jetzt die im Detail genaue Abbildung. Manche Menschen haben gefürchtet, dass diese Sachlichkeit alle Emotionen verbannen könnte. Dem war allerdings nicht so, denn der größte dieser Realisten ist zugleich der größte Romantiker gewesen – Caspar David Friedrichs. Das sollte uns zu denken geben, wenn wir die Blätter von Kurz Zeh anschauen.
Auch ihr sachlicher Stil besteht auf der Wiedererkennbarkeit. Kurt Zeh wählte seine Motive und Themen sorgfältig aus: Wir sehen weiträumige Landschaften wie den Oldenburger Hafen, aber viel häufiger die kleinen Dinge, die von den meisten Menschen übersehen werden, aber von einigen, jeweils den Nächststehenden, liebevoll behandelt werden. Also die Stilleben, Äste, Pflanzen, Blumenkohl oder die Malutensilien selbst, die der außenstehende Betrachter als notwendiges Handwerkszeug zwar wahrnehmen, in ihrem Wert aber nicht richtig einschätzen könnte.
Das ist bei der Auswahl der Themen und Motive wohl ein charakteristischer Zug: dass der Künstler entdeckt und er Betrachter ein Erlebnis hat. Kurt Zeh kann bei den meisten Motiven kleine Geschichten erzählen. Während er zeichnet und malt, schauen ihm andere Menschen zu – aber er schaut auch diesen Menschen zu, wie sie sich benehmen, welche Kuriositäten sie in ihrem Verhalten erkennen lassen. Er kann von einem Bauernhof erzählen, auf dem er gemalt hat, von der Offenheit der Menschen dort, ihm die teilweise schon historischen Brunnen und Wagen, Türen und Wippen zu zeigen. Wir finden sie in einigen der ausgestellten Bilder wieder.
Kurt Zeh hat im Freien gearbeitet – er ist, französisch gesprochen – ein plein-air-Künstler, auch eine Haltung, die es seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts gibt. Sie verlangt Konstanz gegenüber dem Wetter, und Widerstandsfähigkeit gegenüber den neugierigen Beobachtern.
Hast Kurt Zeh seine Motive gewählt, dann folgt er ihnen zwar akribisch, aber doch nicht sklavisch. Mit anderen Worten, er wählt Details aus, er setzt Akzente, er betont Linien, die nicht immer vom Motiv so vorgegeben sind, sondern von der künstlerischen Hand als notwendig erachtet werden. Mehr noch – zuweilen erweitert er Motive, um in ihnen durch Andeutungen herauszustellen, dass sie auch ihre Geheimnisse, ihre Doppeldeutungen haben. Augen im Geäst oder im Wurzelwerk lassen diese Spur von Geheimnis erkennen, die der Künstler selbst mit seinen Bildtiteln belegt. Aber er übertreibt nicht, er setzt nicht seine subjektive Empfindung an die Stelle der erkannten Realität, sondern zügelt sie im Dienste des Vorhandenen.
Deutlicher wird die emotionale Beziehung zu den Themen und Motiven, wenn wir auf die Farben schauen: Diese können nur eingeschränkt realistisch genannt werden. Tatsächlich schwingt in der Farbgebung vieler Bilder ein erheblicher Zug Expressivität mit – nicht in der Erscheinungsweise, dass die Gegenstände anfangen zu tanzen, sondern in der freieren Farbsetzung, in der lockeren Pinselführung, die sich auch mal Bewegungen erlaubt, die nicht in die Realität gebunden sind. Und schließlich in der Farbwahl, die kräftigere Farben anstelle der von Staub und Zeit gesetzten Grauwerte gebraucht. Die Farben geben den Bildern einen schönen Glanz, während die schwarzweißen Zeichnungen seinen größeren Dokumentarwert offerieren. Doch auch hier setzt Kurt Zeh eine Kompositionsweise ein, die in den Randzonen der Zeichnungen größere Sparsamkeit der Striche und Lineamente aufweist, während zur Mitte hin –wie bei einem Fokus, einem Brennpunkt – die Genauigkeit immer mehr zunimmt. Auf der anderen Seite mischt solche Methode mit den unscharfen Rändern und den dichten Bildzentren auch romantische Züge in das realistische Motiv.
Ein zweiter Aspekt ist für die Kunst von Kurt Zeh wesentlich: Es ist die Beziehung zur Heimat. Ich will diesen Begriff nicht in einem emotional aufgebauschten Sinn benutzen und ihm auch nicht irgendwelche Ideologien unterschieben. Prinzipiell halte ich es mit dem polnischen Schriftsteller Szczypiorski: Heimat ist dort, wo mein Herz schlägt – also bei mir selbst.
Aber wenn jemand lange Zeit, Jahrzehnte, an einem Ort gelebt hat, dann entfaltet er Vorlieben für bestimmte Eigenschaften dieses Ortes – auch bestimmte Abneigungen, die aber nicht so stark sein müssen, dass deswegen der Wohnsitz aufgegeben werden muss. Die positiven Reize sind stärker. Aus dieser Haltung heraus – die bei Kurt Zeh sicherlich stärker ausgeprägt sein kann als bei mir - , hat der Künstler ein Werk begonnen, die Umgebung, die nähere und weitere Landschaft zu zeichnen. Ihre Besonderheiten, aber auch viele alltägliche Erscheinungen, sind von Kurt Zeh gesehen und mit Stift und Aquarellfarben auf Papier festgehalten worden. Eine inhaltliche Notwendigkeit, die sich um Zeitläufte und Geschmacksfragen nicht kümmern musste, da sie stets ihr Publikum fand und auf Reaktionen stieß. Ich könnte jetzt einzelne Titel aufzählen und ihre Orte bestimmen. Bei Altenoythe, Doktorsklappe, Kirchhatten, Ostrittrum, Bergstraße – das können aber viele der heute Anwesenden viel besser als ich.
Darum nur das Grundsätzliche. Das Darstellen der Landschaft, die Wiedergabe der Heimat, ist nicht nur eine dankbare und zugleich unendliche Arbeit, sondern auch eine notwendige.